The Dudes

Rock ‘n Roll

Ein kleiner Moment, der so schnell vorüber geht sodass ich mir schwer tue alles nachvollziehen zu können aber trotzdem jedes Detail davon weiß. Dieser kleine Moment nennt sich bei mir Durchstieg und die einzige Freude daran, ist die mühevolle Arbeit sich jede einzelne Bewegung blind einzupregen, damit beim besagten Durchstieg nix mehr schief gehen kann.

Wäre doch schön wenn das immer funktionieren würde. Konsequentes Arbeiten! Hin und wieder geht aber alles so schief, schiefer kanns nicht mehr werden, denn sonst kippt alles um und liegt am Boden. Auch nicht gut! Der Zwischenweg heißt, “Schauma mal, des geht schon irgendwie”!

Dieser unbeschreibbar kluge Geisteszustand beginnt schon beim Einbohren. Leichte Stelle, es wird weiter gebohrt, auf Zwischenhaken wird verzichtet. Geputzt wird nur was unbedingt gebraucht wird, Punkt. Beim Ausbouldern wird auf Rastpunkte geschissen, ist eh nicht so lang. Bei der Crux wird aufs Ärgste spekuliert, wenn ich den Rest drauf habe, dann muss ich die Crux nur einmal machen. Und so gehts dahin…

Gesagt, getan. Letztes Jahr habe ich noch zwei schöne Routen im Zillertal gebohrt und geklettert. Eine davon war eine Variante, wo ich mir einen direkten Einstieg durch ein kleines Dach vorstellen konnte. Passt, vier Bolts werden reingeschossen und geht scho irgendwie. Zum putzen war nicht viel, viel war ja auch nicht da zum putzen.

Die Crux war natürlich gleich am Einstieg durch das Dach, den Rest kannte ich dann schon von der variante, somit wird nur der Einstieg probiert. Ein paar Mal probieren und irgendwann weiß ich wo meine Füße hingehören, wie und wo ich welchen Griff halten muss und somit ist alles klar gemacht für den besagten Durchstieg. Vor drei Tagen war es dann fast schon zu kalt um überhaupt die Augen zu öffnen. Wenn die Lichter leuchten, dann funktioniert auch der Rest. Einsteigen und los gehts. Die Crux geht auf anhieb, nur Klippen trau ich mich nicht so wirklich, könnte ja im Bach enden und wenn die Umgebungstemperatur schon arschkalt ist, dann ists im Wasser bestimmt nicht wärmer. Der Rest läuft gut, jedoch wird der Fels immer feuchter in Richtung Top. Ein bisserl Chalk auf den Griffen wird die Reibung schon zurück holen. geht schon irgendwie.

Ein paar Versuche später häng ich nach der Crux. Mit zwei schmierigen Griffen in der Hand, der nächsten Zug nicht vorstellbar zu machen, versuch ich mir einzureden, dass es eh besser reibt als vorher und dass ich die Griffe zwar nicht geputzt aber gechalkt habe. Geht schon irgendwie. Ein paar Züge später wiederholt sich die Situation mit dem unguten Beigeschmack, dass meine Unterarme pumpen, ich aber nichts spüre, weils so kalt ist.Vielleicht weil ich versuche das Wasser aus den moosigen Slopern zu drücken, die ich nicht geputzt habe, weil ich dachte das es eh irgendwie geht, weil ich da eh schon raufgeklettert bin. Ein stiller Moment bevor ich wieder Luft hole und wenn ich eine Hand frei hätte, dann würde ich mir selbst eine Kopfnuss geben. Aber geht schon irgendwie! Und sogar das Halten des Top-Griffes war noch kein Geschenk und mein Ich endet mit einem lauten Ahhh nach dem Klippen des Umlenkers erlöst im Seil und kann es kaum glauben das der Kampf ein Ende hat.

Gescheiter bin ich dadurch wahrscheinlich nicht geworden, aber dafür ist mir Spannung beim nächsten Versuch im nächsten Projekt bestimmt wieder garantiert.

Flo bohrt Archie

Flo bohrt Archy



Kommentare sind nicht möglich.