Visuelles Gedankentraining

Visuelles Gedankentraining

Visuelles Training ist eine Art meditatives Training, welches neuronale Gehirnzellen und Verbindungen bildet, bevor man eine Bewegung richtig oder überhaupt vollziehen kann. Beim Klettern passiert es oft, dass aufeinanderfolgende anstrengende Züge sehr lange ausgebouldert werden müssen, damit man sie schlussendlich zusammensetzen kann.

Wenn man so einen Bewegungsablauf von mehreren harten Zügen macht, werden im Gehirn neuronale Gehirnzellen miteinander verknüpft. Wenn ein Zug nicht gelingt, muss es nicht unbedingt an Kraft oder Ausdauer liegen. Es ist oft der Fall, dass man den Schwerpunkt falsch verlagert, weil man unsicher steigt, sich schlecht eindreht oder einen Griff nur 20mm zu tief hält.

Visuelles Training bietet die Möglichkeit, diese neuronalen Gehirnzellen schon vor dem endgültig bewältigtem Bewegungsablauf zu verbinden. Hat man die Züge schon einmal gemacht, aber kann sie nur nicht zusammenhängen, so hilft das visuelle Training, den Ablauf im Gehirn zu bilden, um ihn dann im Fels umzusetzen. Interessant wird es bei OnSight- oder Flash-Versuchen. Man sieht nur Griffe, Tritte oder eben einen Kletterer, der die Route gerade durchsteigt. Ab dem Zeitpunkt, wo man sich alle Griffe, Tritte, Felsformationen oder Bewegungsabläufe andere Kletterer ins Gehirn einprägt, werden diese Informationen in neuronale Gehirnzellen abgespeichert. Jetzt liegt es an einem selbst, diese zu verbinden. In der Praxis muss man sich im Ruhezustand befinden, um eine dermaßen hohe Konzentration zu erreichen. Oft ist es sehr schwierig, diesen Ruhezustand zu erreichen. Bei Wettkämpfen ist man von 100 oder mehr Leuten umgeben, die eine sehr störende Geräuschkulisse bilden. Auch wenn man sich direkt vor dem Klettern einer Route im Freien noch mal alles durchdenken möchte, ist es oft sehr schwierig, sich zu konzentrieren. Beim Wettkampf kann ein Walkman mit beruhigender Musik helfen, was immer das auch sein mag! Im Freien sucht man sich am besten einen Ort, wo man alleine ist und nicht direkt gestört werden kann.

Wie funktioniert es jetzt genau? Wichtig ist eine regelmäßige Atmung, die man durch langsames Ein- und Ausatmen erreicht. Eigentlich braucht man sich dann nur noch auf jeden einzelnen Griff und Tritt konzentrieren und sich den Bewegungsablauf vorstellen. Das Gehirn soll dabei jede Bewegung steuern, ohne die Muskeln zu beanspruchen. Das heißt, man soll ruhig am Boden sitzen oder stehen – wichtig ist nur, dass die Fußflächen den Boden berühren.

Wenn man es schafft, jede einzelne Bewegung durchzudenken, zu wissen, wie man jeden Tritt ansteigt, wie man jeden Griff nimmt, von welchem Griff man einhängt, wo man schüttelt usw., dann wird das alles im Gehirn gespeichert.

Beim Klettern selbst braucht man nicht mehr zu überlegen, wie man welches Problem am besten löst, denn die neuronalen Gehirnzellen sind bereits vorhanden und verbunden. Schafft man es nicht, die Route in einem Stück durchzudenken, dann wiederholt man diesen Vorgang eben so oft, bis man es schafft. Nicht abschrecken lassen, das kann genauso lange oder länger dauern, wie das Klettern der Route selbst.

Ich habe weiter oben von einem meditativen Zustand und von Fußflächen am Boden gesprochen. Wenn man sich dermaßen konzentriert, dann gerät das Bewusstsein in einen sogenannten Alphazustand, in dem man Überlegungen sehr viel bewusster durchdenken kann. Man kann ruhig von Meditation sprechen. Verbindet man das visuelle Training damit, so kann man diesen Zustand gleich dazu nutzen, um frische Energie zu tanken.

Man stellt sich einfach vor, seinen Körper von außen zu sehen. Jetzt konzentriert man sich darauf, alte Energie in den Boden abzugeben und neue durch den Boden wieder aufzunehmen.

Hilfreich ist es, sich die Energien in Farbe vorzustellen. Die neue Energie zum Beispiel in Gelb und die alte in Braun. Das kann eine zusätzliche Steigerung des visuellen Trainings sein.

Auch beim Durchlesen dieses Textes wurden in eurem Gehirn neuronale Verbindungen von Gehirnzellen gebildet. Es liegt also nur an euch, daraus etwas zu machen ;-)!

-flo

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